Sind Friesenpferde eigentlich Kaltblüter?


Ob Friesenpferde zur Familie der Kaltblüter gehören, ist ein Thema, das bei Veranstaltungen und Expertenrunden immer wieder auf den Tisch kommt. Pferdezüchter sind sich bei dieser Fragestellung nicht ganz einig. Einerseits wird das Friesenpferd von den meisten Haltern als Warmblüter angesehen und andererseits besitzen Friesen klare Merkmale von Kaltblütern. Wieder andere Stimmen besagen, dass diese Einteilung ohnehin nicht mehr zeitgemäß ist.

Was ist eigentlich ein Kaltblüter?

Als Kaltblüter bezeichnet man Pferderassen, die sich durch ein hohes Körpergewicht und ein ruhiges, besonnenes Wesen auszeichnen. Sie eignen sich durch ihren kräftigen Körperbau als Zug- und Arbeitspferde. Die Bezeichnung Kaltblüter hat also nichts mit der Regulierung der eigenen Körpertemperatur zu tun. Als schnelle Reitpferde sind sie durch ihr Gewicht natürlich weniger prädestiniert.
Neben ihrer Physis ist der sogenannte Kötenbehang (das ist der Fesselbehang, der eben auch bei den Friesen und Tinkas vorkommt und oft die Anmutung einer Schlaghose oder Socke hat) bei vielen Kaltblütern ein weiteres äußeres Merkmal. Zu den Kaltblutrassen gehören zum Beispiel Shire Horse, Clydesdale und Percheron.
Obwohl Kaltblüter vergleichsweise langsam sind, werden überall auf der Welt Kalblut-Rennen sowohl mit als auch ohne Wagen - ausgetragen und mitunter viel Geld gesetzt - Eine Pferdewette der besonderen Art.

Und was ist ein Friese?

Der Friese ist die einzige rein niederländische Pferderasse, die leider zu Beginn des 19. Jahrhunderts schon fast ausgestorben war. Tatsächlich gab es 1913 nur noch drei Hengste, die auf die Namen Prins 109, Alva 113 und Friso 117 hörten. Seitdem setzten sich viele Züchter für die Rettung dieser Rasse ein, was aber auch eine starke Inzuchtbelastung der Friesen nach sich zog. Auch deswegen gehört die Selektion der Deckhengste, mit all ihren Auflagen und Anforderungen, zu den strengsten der Welt.
Äußerlich zeichnet sich das Friesenpferd durch einen starken Körperbau, einen meist dicken Hals, dichtes Langhaar und den Kötenbehang aus. Heute gibt es Friesen fast ausschließlich in der schwarzer Farbe des Rappen. Füchse kommen in seltenen Fällen auch noch vor, sind von den Züchtern aber nicht erwünscht.
Die Einzucht iberischer Pferde zur Rassenerhaltung erhöhte bei den Friesen die Dressureignung. Friesen bewegen sich elegant und schwungvoll durch alle Grundgangarten und sind oft auf Shows und Wettkämpfen zu sehen. Eine Pferdewette kann man auf die edlen Tiere trotzdem schwerlich abschließen bei Friesenzüchtern ist derartiges eher verpönt. In Gespannen vor Wagen und Kutschen findet man sie häufig, weil sie sich durch ihre geduldige, arbeitswillige Art gut dazu eignen.

Ist der Friese also ein Kaltblut?

Es besteht tatsächlich eine Verwandtschaft, denn im Mittelalter (als der Friese noch Ritter in voller Rüstung tragen musste) war das Friesenpferd noch schwerer und es kann davon ausgegangen werden, dass Friesen durch den Export von Friesland nach England zu den Stammvätern von Rassen wie den Shires und den Clydesdales gehören - allerdings trifft das auch auf das schottische Fellpony zu, dem keiner eine direkte Verwandtschaft unterstellen würde. Neben dem Kötenbehang und der breiten Statur gibt es sogar noch weitere Parallelen wie die Spurrillen an den Hinterbeinen, Probleme mit der Wärmeabfuhr und sehr ähnlichen Spermawerten. Trotzdem zählt der Friese gemeinhin eher zu den Warmblütern und ist (im Gegensatz zu den meisten Kaltblütern) ein elegantes Reitpferd. Der Sachverhalt bleibt also ungeklärt und eignet sich so keinesfalls für eine sichere Pferdewette.

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